„Männer: wer von Euch hier wurde schon mal gefragt wie er das schaffen will – Kinder und Karriere?“
Mit einem beeindruckenden und charmanten Vortrag hat Sheryl Sandberg, Facebook’s COO, auf der ZEIT Konferenz „Frauen in Führungspositionen“ am Donnerstag das Hamburger Publikum zum Lachen und zum Nachdenken gebracht. In Kostüm und Highheels, perfekt gestylt, humorvoll und mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Gelassenheit – Emanzipation 3.0!
Augenzwinkernd gelingt es ihr, geschlechterübergreifend ein neues Denken anzustoßen: es ist nämlich nicht nur für Frauen wichtig, sich etwas zu trauen und den Mut zu haben nach der Macht in Unternehmen zu greifen und unsere Gesellschaft mitzugestalten. Alle haben etwas davon!

Sheryl Sandberg auf der ZEIT Konferenz

Was ist bei uns in Deutschland in den letzten 12 Jahren freiwilliger Selbstverpflichtung der Unternehmen, mehr Frauen in Top-Führungspositionen zu holen, eigentlich passiert? Noch nicht so viel wie gewünscht. Doch was oder wer ist nun gefordert?
Nicht nur der Staat, auch Unternehmen haben eine Vorbildfunktion was die Gestaltung der Gesellschaft angeht. Veränderung der Rahmenbedingungen, flexiblere Arbeitsmodelle, ein neues Rollenverständnis und eben auch die Frauen-Quote sind verschiedene Bausteine. Und einen weiteren großen Baustein können die Frauen selbst mitbringen. Sheryl Sandberg ermutigt sie, ihren Willen zur Führung und zur Macht zu zeigen. Was hindert sie noch so oft daran?

Die Facebook-Geschäftsführerin, die zu den einflussreichsten Managerinnen der USA zählt, hat Verständnis dafür, dass es Frauen oft noch an Selbstbewusstsein fehlt, dass sie ständig das Gefühl haben etwas beweisen zu müssen oder etwas nur vorzutäuschen „Women feel like frauds a lot more than men do“. Warum ist das so? Weshalb ist Ehrgeiz so eine komplizierte Sache für Frauen? Woher kommt das Leadership Ambition Gap? Mädchen wachsen immer noch mit den Stereotypen auf „boys are leaders, girls are pretty“. Zu oft werden sie mit dem Gedanken großgezogen, dass sie eigentlich mit unternehmerischer und gesellschaftlicher Verantwortung nicht so viel am Hut haben müssen und das im Ernstfall lieber den Männern überlassen.

Das führt auch dazu, dass selbst top ausgebildete Frauen sich gar nicht erst reinhängen (Lean in!) – schon lange bevor sie überhaupt Kinder haben. Wozu die Anstrengungen, wenn Kinder und Karriere dann doch nicht vereinbar sind (aus meinen Gesprächen als Business Coach kann ich bestätigen: ja, es ist nach wie vor schwierig!). Wenn Frauen die in unserer Gesellschaft noch so ungewohnte Leadership-Rolle übernehmen werden sie von Zweifeln geplagt. Von Selbstzweifeln und den Zweifeln der anderen. Und wenn sie Mutter werden, kommen noch Schuldgefühle dazu.

Welche Veränderungen in den Köpfen von Frauen, Männern, Unternehmenslenkern müssen stattfinden? Welche Unterstützung brauchen Frauen? Frauen sollten nicht mehr wählen müssen zwischen Kindern und Karriere fordert Sheryl Sandberg und wirbt für Partnerschaften auf Augenhöhe in denen Aufgaben gleich verteilt sind. Das ist für alle besser – für die Frauen, die Männer, die Kinder, für die gesamte Gesellschaft.

Sheryl Sandberg gibt zu, dass auch sie oft zweifelt. Die Angst ist da, ja, aber was macht man jetzt damit? Es gilt sie zu überwinden, Dinge einzufordern und sich nicht vorschnell zurückzuziehen. Sie ermutigt Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und Mut, ohne dabei die Zweifel unter den Tisch zu kehren und gibt ihrem Publikum als Ermutigung mit „done is better than perfect!“