Nach dem Change ist vor dem Change. Permanente Transformation. Unsere Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Rahmenbedingungen ändern sich immer schneller, Veränderungen sind keine geschlossenen Prozesse mehr, sondern gehen ineinander über oder überholen sich sogar selbst. Neue Wettbewerber, Digitalisierung, Umstrukturierungen, Komplexität, Umgehen mit Unsicherheit – Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter müssen mit Höchstgeschwindigkeiten, fortlaufender Transformation und den einhergehenden Herausforderungen umgehen. Organisationen und Führungskräfte müssen neue Wege gehen und ein positives Klima für Veränderungen schaffen. Doch Veränderungsphasen sind oft von hoher Komplexität geprägt, werden als unangenehm erlebt und erzeugen Widerstände. Das Bekannte funktioniert nicht mehr, Lösungen sind noch nicht erprobt.

Neue Formen der Zusammenarbeit scheinen gefragt, um Mitarbeiter und Teams fit für Veränderungen zu machen und mitzunehmen in eine Zukunft, die von Komplexität geprägt ist.
Wie kann das gelingen? Wie können Sie sich selbst und Ihre Mitarbeiter durch zunehmende Veränderungsgeschwindigkeiten führen und eine Kultur etablieren, die mit Veränderungen und Überraschungen nicht nur umgehen kann sondern diese sogar erwartet?

Was hat sich verändert?

Neue Technologien, Digitalisierung und Globalisierung haben innerhalb kurzer Zeit einen ganz neuen und sehr viel leichteren Zugang zu Daten, Informationen und Wissen ermöglicht, Menschen, Unternehmen und Gesellschaften vernetzen sich weltweit. Technologie kommt eine völlig neue strategische Bedeutung zu. Damit einher geht aber auch eine überproportional gestiegene Komplexität, Veränderungsprozesse beschleunigen sich – neue Kompetenzanforderungen, neue Organisations- und Arbeitsformen und ein neues Mindset von Führungskräften und Mitarbeitern werden erforderlich.

Die VUCA World

In der so genannten VUCA World, in der Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity den Alltag von Unternehmen und Mitarbeitern bestimmen, in der Abteilungs- und Unternehmensgrenzen durchlässiger werden, werden neue Formen der Arbeit zum Erfolgsfaktor, um mit komplexen Anforderungen umzugehen und neue Lösungen zu entwickeln.

Neue Haltungen für die neue Arbeitswelt

Innovationsfähigkeit und kollaborative Formen der Arbeit zur gemeinsamen Weiterentwicklung von Ideen werden zum Schlüsselfaktor zum Überleben. Die Antworten auf die VUCA World können Vision, Understanding, Clarity und Agility heißen und zu Schlüsselwörtern werden, um mit der sich rasant verändernden Umwelt interagieren zu können. Um eine Veränderungs- und Innovationskultur zu schaffen und zu fördern, können Ansätze aus dem Design Thinking und aus dem agilen Projektmanagement helfen.

Design Thinking

Die Denkhaltung aus dem Design Thinking stellt konsequent den Kundennutzen und die gemeinsame, kreative Arbeit in den Fokus. Diese Denkhaltung kann auf ganze Unternehmen und Teams übertragen werden. Entwickelt wurde die Methode im Umfeld von David Kelley, dem Gründer der Design- und Innovationsagentur IDEO, bereits in den 90er Jahren. Weiter erforscht und entwickelt wird die Methode am HPI Hasso Plattner Institute of Design, an der d.school in Stanford. Im Fokus von Design Thinking steht die Erfahrung, dass wirkliche neue Lösungen vor allem dann entstehen, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen und Fachrichtungen in einem Umfeld mit offenem Umgang gemeinsam an Fragestellungen arbeiten. Wenn Sie gemeinsam Konzepte entwickeln und diese schnell auf ihre Machbarkeit prüfen.  Wirkliches Zuhören, Empathie, echter Dialog, Partizipation, gemeinsames Entwickeln, iteratives, schrittweises und experimentelles Vorgehen, Loslassen von altem Denken und Handeln und Lösungsorientierung werden in der gemeinsamen Ideen- und Produktentwicklung gelebt und von allen eingefordert.

Hilfreich ist eine neugierige „dare to be wild“-Haltung : Nichts ist unmöglich, vermeintlich verrückte Ideen führen vielleicht zu genau passenden Lösungen. Hilfreich ist es auch, die angestammten Silos zu verlassen und im Gesamtsystem zu denken: Niemand arbeitet einfach nur für sich allein an irgendeiner Aufgabe, sondern ist Teil eines komplexen Netzwerkes sowohl innerhalb des eigenen Unternehmens, als auch in der Umwelt des Unternehmens und der Gesellschaft. Das Verstehen der Beteiligten und deren Bedürfnisse ordnet die Dinge in einen größeren Kontext ein.

Agiles Projektmanagement

Das agile Projektmanagement stammt ursprünglich aus der Software-Entwicklung.  Zu den agilen Methoden gehört z.B. Scrum. Den Entwicklern Ken Schwaber und Jeff Sutherland zufolge ist Scrum leichtgewichtig, einfach zu verstehen und bietet mehr als in klassischen Projektmanagementprozessen üblich ein Rahmenwerk zur Entwicklung komplexer Produkte. Die Vorgehensweise folgt nicht einem einmal zu Beginn festgelegten Fahrplan, sondern Adaptionen im laufenden Prozess werden von vornherein möglich gemacht. Ähnlich der iterativen Vorgehensweise aus dem Design Thinking gehören Entwicklungsschleifen in agilen Prozessen dazu, Veränderungen werden geradezu erwartet.

2001 wurde das sogenannte Agile Manifest veröffentlicht, das die Ideen und Werte zur optimalen Softwareentwicklungen festhält. Die hier festgehaltenen Grundregeln kennzeichnen die Haltung in der agilen Zusammenarbeit (vgl. agilemanifesto.org):

  • Individuen und Interaktionen haben Vorrang vor Prozessen und Werkzeugen
  • Funktionsfähige Produkte haben Vorrang vor ausgedehnter Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden hat Vorrang vor Vertragsverhandlungen
  • Das Eingehen auf Änderungen hat Vorrang vor strikter Planverfolgung

Das bedeutet nicht, dass der Wert von Prozessen, Dokumentation, Vertragsverhandlungen und Plänen nicht anerkannt wird. Interaktionen, Funktionsfähigkeit, Zusammenarbeit und das Eingehen auf Änderungen werden aber mehr wertgeschätzt und es wird versucht, diese Werte immer in den Vordergrund zu stellen.

Disruptive Thinking

Ein Zusammenspiel der verschiedenen Werte und und Prinzipien wird im Disruptive Thinking beschrieben. Disruptive Thinking geht mit tiefgreifenden Brüchen und Widersprüchen souverän, kreativ und produktiv um. Es ist, wie Bernhard von Mutius beschreibt, Querdenken ohne Geländer, experimentell, nicht linear. Disruptive Thinking akzeptiert das Nichtwissen im Wissen und setzt auf vernetzte, agile Teams. Dabei weiß es um die Beharrungskräfte in Organisationen und agiert kreativ und zugleich verantwortungsvoll (vgl. Bernhard von Mutius in: managerseminare, 221/8/2016. S. 32ff)

Komplexitätskompetenz und Loslassen alter Denkgewohnheiten

Es gibt kein Patentrezept, um in der sich schnell verändernden Umwelt zu bestehen – das Akzeptieren von Nichtwisssen, gleichzeitige Komplexitätskompetenz und schnelle Handlungsbereitschaft werden zu wichtigen Zutaten, die Unternehmen erlernen können. Die Denkhaltungen und Handlungsrichtungen aus dem Design Thinking, Disruptive Thinking und agile Herangehensweisen liefern passende Möglichkeiten, haben sich in der Produktentwicklung bewährt und liefern Ansätze für Unternehmen und Teams mit zunehmenden Herausforderungen aus dem Markt und mit Unerwartetem erfolgreich umzugehen.