Jeder der sich mit dem Thema agiles Arbeiten und Scrum näher beschäftigt, stößt schnell auf die zu Grunde liegenden Werte. Mit den Werten ist es wie mit der Unternehmenskultur: „Culture eats Strategy for Breakfast“ (Peter Drucker). Die beste Strategie nützt nichts, wenn die Kultur dagegen arbeitet.

Die Werte Selbstverpflichtung, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut zeichnen die Zusammenarbeit agiler Teams aus und bilden die verbindende Basis.

Selbstverpflichtung (Commitment).

Commitment ist ein vielschichtiger Begriff, der im Scrum-Kontext vor allem die Zusage des Teams meint, sich an Absprachen zu halten und die für den Sprint (ein Sprint ist ein Entwicklungszyklus von 2 – 4 Wochen) ausgewählten Themen auch wirklich fertig zu stellen. Teams erstellen gemeinsam Vorhersagen für den nächsten Sprint und arbeiten die Themen gemeinsam ab. Sollten Vorhersagen nicht gehalten werden können, lernt das Team hieraus, um zukünftig noch genauere Vorhersagen machen zu können.

Fokus.

Agile Teams konzentrieren sich nur auf wenige Dinge zu einem Zeitpunkt, um exzellente Arbeit zu leisten. Um anderes machen sie sich keine Sorgen, versuchen es zumindest. Die Herausforderung ist, Nebenbei-Tätigkeiten und Tätigkeiten für andere Projekte möglichst gering zu halten, denn Multitasking führt meist zu schlechteren Ergebnissen, häufige Unterbrechungen zu Stress. Idealerweise arbeitet ein Scrum-Team also nur an einem Projekt mit klar definierten Teilaufgaben.

Offenheit.

Alles ist für alle zu jedem Zeitpunkt sichtbar. Diesem Wert liegt die Haltung zu Grunde, dass nur dann wirklich gute Arbeit möglich ist, wenn Menschen Zugang zu allen Informationen haben. Nur dann können fundierte Entscheidungen getroffen werden. Ein häufig genutztes Tool hierfür ist das Taskboard, das man in vielen Scrum-Teams findet, ein Board mit Pappkarten oder Post-its, auf dem die aktuellen Themen und der Projektfortschritt für alle sichtbar festgehalten werden. Auch Kollegen, die nicht in diesem Projekt mitarbeiten, dürfen sich hier jederzeit einen Überblick verschaffen. Aber was ist, wenn mal was nicht so gut läuft? Dann sieht das ja auch jeder! Ja, Scrum legt auch das offen und funktioniert deshalb am besten in Unternehmenskulturen, die Fehler zulassen, offen damit umgehen und hieraus lernen.

Respekt.

Verschiedene Menschen mit ihren verschiedenen Erfahrungshintergründen und Sichtweisen werden respektiert. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber wenn’s stressig wird sieht das ja manchmal anders aus. Da Scrum-Teams sehr eng miteinander arbeiten ist es wichtig, dass sie sich gegenseitig respektieren, ihre Stärken nutzen und Schwächen verzeihen. Idealerweise bringen die Teammitglieder ganz unterschiedliche Erfahrungen und Charaktereigenschaften mit – umso wichtiger ist es, dass sie sich in ihrer Unterschiedlichkeit respektieren und sich offen begegnen.

Mut.

Agiles Arbeiten erfordert Mut auf unterschiedlichen Ebenen: Mut neu zu denken, Dinge auszuprobieren und auch Mut, Missstände und Differenzen anzusprechen. Wenn Menschen zusammenarbeiten entstehen Konflikte durch ungenaue Kommunikation, es kann zu persönlichen oder fachlichen Differenzen kommen. Es erfordert Mut, eigene Fehler zu erkennen und mit den Fehlern anderer respektvoll umzugehen.

Werte als Basis

Werte bilden die (oft unsichtbare) Basis von Unternehmenskulturen. Die agile Methode Scrum stellt Werte in den Vordergrund und macht sie zur Basis des gemeinsamen Arbeitens. Das offene Umgehen mit Werten, das Ansprechen und Einfordern, machen den Erfolg von Scrum möglich: anzuerkennen, dass Werte Menschen in ihrer Zusammenarbeit prägen. Und nicht so zu tun, als wäre das nicht wichtig oder nur so einer dieser soften Faktoren.

In meinen nächsten Artikeln werde ich weitere Elemente aus dem agilen Arbeiten beleuchten, u.a. die Rollen, Meetings und so genannten Artefakte, sowie das allgemeine Vorgehen nach Scrum.

Den ersten Artikel gibt es hier: Agiles Arbeiten. Was ist das eigentlich und brauchen wir das jetzt alle?